Altersarmut verstehen – und was Unternehmen konkret tun können

25.8.2025
Datum
25.8.2025
Autor
Degura
Kategorie
Soziale Themen & Wirtschaft
Share

Ruhestand ohne Sorgen? Warum Arbeitgeber heute mitentscheiden

Altersarmut klingt oft nach einem Schicksal, das „andere“ betrifft. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Laut Daten des Statistischen Bundesamts gilt fast jede fünfte Person über 65 in Deutschland als armutsgefährdet. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu vor zehn Jahren. Die Ursachen reichen von unterbrochenen Erwerbsbiografien über niedrige Löhne bis hin zu Phasen der Arbeitslosigkeit.

Dort, wo der Staat die gesellschaftliche Verantwortung abgibt, ist das Thema Rente eine betriebliche Aufgabe. Denn die finanzielle Sicherheit im Alter wird für viele Beschäftigte zu einem entscheidenden Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers. Denn klar ist: die gesetzliche Rente reicht nicht!

Warum die Gefahr zunimmt

Die Kinderboomer-Zeiten sind vorbei; die Geburtenrate in Deutschland geht zurück, der Lebensstandard der heutigen Generation steigt. Zudem mussten viele Menschen, die heute in Rente gehen,in den 80er- bis 2000er Jahren Phasen der Massenarbeitslosigkeit oder unsichere Beschäftigung durchstehen. Dadurch fehlen Beitragsjahre und Rentenpunkte.

Gleichzeitig sind die Möglichkeiten, im Ruhestand noch einmal Einkommen aufzubauen, stark eingeschränkt. Zwar verfügen manche Seniorenhaushalte über Vermögen, doch die Unterschiede sind groß. Am unteren Ende besitzen viele kaum Rücklagen.

Was Unternehmen jetzt tun können

Politische Lösungen wie der diskutierte „Boomer-Soli“ – eine Sonderabgabe auf Renten über 1.048 € – sind umstritten und würden, falls sie überhaupt kommen, Jahre brauchen. Problematisch: Es handelt sich letztlich nur um eine Kürzung der Rente. Doch wer gilt überhaupt als „reicher Rentner“? Die durchschnittliche gesetzliche Rente liegt bei rund 1.500 € brutto für Männer und deutlich darunter für Frauen - kaum ein Maßstab für Wohlstand!

Sinkende Rentenniveaus verschärfen das Problem: Weniger Einzahler, mehr Anspruchsberechtigte. Wer heute knapp über der Armutsgrenze liegt, könnte morgen darunter rutschen – und trotzdem als „reicher“ Rentner belastet werden. Der Boomer-Soli wirkt damit eher wie Symbolpolitik, statt das strukturelle Problem zu lösen.

Schneller und wirksamer ist es, das Problem dort anzugehen, wo man Einfluss hat: im Unternehmen. Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist ein bewährtes Instrument. Sie erlaubt es, mit vergleichsweise geringen Beiträgen – durch die Unterstützung vom Arbeitgeber – langfristig ein solides Polster aufzubauen. Wichtig ist, dass die Lösung nicht als bürokratische Pflicht, sondern als echter Mehrwert wahrgenommen wird.

Beispiel aus der Praxis

Ein mittelständisches Unternehmen im produzierenden Gewerbe führte vor zwei Jahren ein bAV-Konzept ein: digital, transparent, mit schlanker Verwaltung. Ergebnis: hohe Teilnahmequote, zufriedene Belegschaft, planbare Kosten.

Attraktiv wird die bAV aber erst, wenn Arbeitgeber über den gesetzlichen Mindestzuschuss (15%) hinausgehen. 15% klingen gut, sind bei 100 € Eigenbeitrag jedoch nur 15 €, während andere Benefits wie Fitnessangebote oft mit rund 45 € monatlich gefördert werden. Dabei ist Altersvorsorge ein deutlich relevanteres Fundament für die Zukunft. Denn was nützt körperliche Fitness, wenn im Alter die finanzielle Basis fehlt?

Damit die bAV ihren vollen Effekt entfalten kann, braucht es spürbar höhere Arbeitgeberzuschüsse – und ergänzend auch eine stärkere staatliche Förderung, um Unternehmen wie Beschäftigte gleichermaßen zu entlasten.

Fazit: Vorsorge ist Fürsorge

Mitarbeitende verbringen Jahrzehnte im Unternehmen – ihre Zeit und Leistung verdienen Sicherheit auch über das Berufsleben hinaus. Altersarmut ist kein abstrakter Begriff aus Statistiken, sondern eine Realität, die viele Menschen im Ruhestand einholt.

Eine gut strukturierte bAV zeigt Wertschätzung, schafft Planbarkeit und bindet Mitarbeitende langfristig. Für Unternehmen ist das oft wirtschaftlich sinnvoll: Die gleiche Förderung über Gehalt würde deutlich mehr kosten.

Fazit: Die Fürsorge des Arbeitgebers endet nicht mit dem Rentenbeginn, sondern sollte langfristig gedacht werden.

Degura unterstützt Unternehmen dabei, diese Lösungen unkompliziert und nachhaltig umzusetzen. 

*Die europäische Erhebung über Einkommen und Lebens­bedingungen ist die EU-weit vergleichbare Datenquelle über Einkommen, Armut und Lebens­bedingungen in Europa. Laut Statistischem Bundesamt dient sie in Deutschland als amtliche Haupt-Datenquelle für Messungen zu diesen Themen. Als armutsgefährdet gilt dem Bundesamt zufolge eine Person, wenn ihr Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt.

August 6, 2025
BaFin kritisiert Nettopolicen – welche Lehren Unternehmen daraus ziehen sollten
Betriebliche Altersvorsorge (bAV)
November 20, 2024
Soziale Verantwortung: Ein nachhaltiger Unterschied mit der Altersvorsorge
Soziale Themen & Wirtschaft
November 20, 2024
DEGURA Event: Visionaries für People & Culture
Unternehmensnews
Kostenloser Potenzialcheck
In 30 Minuten zum digitalen Vorsorge-Setup
Los geht’s!